Augenblick: Brecht
100 Jahre Bertolt Brecht
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Ulla Hahn über Brecht

Mein Verhältnis zu Brecht? ???. Zur Zeit meiner kommunistischen Gläubigkeit war es Brecht der Stückeschreiber, der Antifaschist, der Schwarz-Weiß-Maler, Held und Heiliger der Bewegung der Schwachen gegen die Starken. Die Stücke verloren viel von ihrer Faszination, als ich meinem Glauben abschwor.

Der feministische Blick auf Brecht, besonders auf seinen Umgang mit Frauen, wurde von mir - nun gegen jeden Ismus gefeit - zwar nicht vorbehaltlos geteilt, trug aber dazu bei, daß mir der Verfasser der "Maßnahme" oder des "Herrnburger Berichts" noch suspekter, wenn nicht unsympathisch wurde.

Und die Gedichte? Auch die sind mir oft zu rhetorisch, zu vorhersehbar. Zu viel gestreckter Zeigefinger. Viel Rechthaberei. Gedichte sollen an Herz und Nerven gehen, nicht nur an den Verstand. Aber solche Gedichte gibt es bei Brecht ja auch. Die herrlichen Balladen! Die Songs! Sonette, Liebesgedichte! Genug der Ausrufungszeichen!


Mein Verhältnis zu Brecht? Ich habe keins. Wohl aber zu vielen seiner Gedichte. Welches? Das beste, das man haben kann: beständig wechselnd.


Ulla Hahn, 20. Oktober 1997

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Letzte Änderung am 22.05.1998

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