Hanns Eisler
100 Jahre Bertolt Brecht
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Hanns Eisler - Biographie

Der Komponist Hanns Eisler wurde am 6. Juli 1898 in Leipzig als Sohn des Wiener Philosophen Rudolf Eisler geboren. Im Jahre 1901 zog die ganze Familie nach Wien um. Bereits in seiner Schulzeit machte er erste Kompositionsversuche. Während seines Studiums erhielt Hanns Eisler von 1919-1923 Privatunterricht bei Arnold Schönberg, 1922 auch bei Anton von Webern. Im Jahr 1925 erhielt er den Künstlerpreis der Stadt Wien und zog um nach Berlin. Im Jahre 1927 arbeitete er zusammen mit der Agitprop-Gruppe "Das Rote Sprachrohr" und komponierte erste Film- und Bühnenmusiken. Zudem fungierte er noch als Musikkritiker für die "Rote Fahne".

Hanns Eisler
Hanns Eisler, Malibu 1946/47
©Stiftung Archiv der Akademie der Künste, Berlin

1930 begann seine langjährige Zusammenarbeit mit Bertolt Brecht und er unternahm seine erste Reise in die Sowjetunion. 1933 emigrierte Hanns Eisler mit Beginn der nationalsozialistischen Machtergreifung nach Wien, Paris, London, Dänemark und lebte ab 1938 in den USA. Dort arbeitete er als Lehrer für Komposition an der New School for Social Research in New York. 1939 wirkte er als Gastprofessor am Konservatorium in Mexico City. 1942 zog Hanns Eisler nach Los Angeles, wo er mit Bert Brecht und Adorno zusammenarbeitete. 1948 wurde er nach arbeitsreichem Aufenthalt in den Vereinigten Staaten (hauptsächlich Brecht-Werke) aus den USA ausgewiesen und kehrte nach Europa zurück. Nach einem Aufenthalt in Wien übersiedelte er 1949 nach Berlin. 1950 wurde er Mitglied der Deutschen Akademie der Künste und erhielt eine Professur an der Deutschen Hochschule für Musik in Berlin (diese wird später nach ihm benannt). Er erhielt den Nationalpreis I. Klasse der DDR. 1953 floh Hanns Eisler nach Wien. 1956 komponierte er die Bühnenmusik zu "Schweyk im Zweiten Weltkrieg" (Brecht).
Am 6. September 1962 starb Hanns Eisler in Berlin (Ost).

Hanns Eisler - Sein Werk

Hanns Eisler gehört zu den bedeutendsten und einflußreichsten Komponisten des 20. Jahrhunderts, auch wenn sein Name nicht jedem Musikfreund geläufig sein dürfte. Er entwickelte sich in der Schule Arnold Schönbergs, dessen Technik er meisterlich beherrschte. In seiner Vokalmusik brachte er seinen eigenen Stil ein und löste sich vom Wiener Meistervorbild. Wie kaum einem anderen Schüler Arnold Schönbergs gelang es ihm, die gesellschaftliche Isolation der modernen Musik zu durchbrechen und Werke zu schreiben, die auf der Höhe der Zeit sind und zugleich die Zeitgenossen zu erreichen vermögen. Als Zeichen seiner Entwicklung steht das Werk "Zeitungsausschnitte" für Gesang und Klarinette. Es gilt gemeinhin als Wendepunkt seiner Gesinnung. Er macht in dieser Vertonung banaler und improvisierend gereimter Alltäglichkeiten bewußt Front gegen Pathos und Lyrismus. Er erteilt der bürgerlichen Gesinnung ein Absage. Seit diesem Zeitpunkt widmet sich Hanns Eisler mit seinen Werken vollkommen der sozialisitischen Funktionsmusik. Arbeiterchöre, Kampflieder und Songs, Lehrstücke und Opern bilden bis heute den Hauptteil seines kompositorischen Schaffens. Einige seiner wichtigsten Werke, so die Musik zu "Die Mutter", "Die Maßnahme", zum Film "Kuhle Wampe" oder zu den Stücken "Galileo" und "Schweyk im 2. Weltkrieg", entstanden in enger Zusammenarbeit mit seinem Freund Bertolt Brecht.
Eislers Konzept einer politisch eingreifenden und kompositionstechnisch hochentwickelten Musik hat weit über die Arbeiterbewegung der zwanziger Jahre, in deren Zusammenhang es entstanden war, Wirkung entfaltet. Seine Schriften haben dem Denken über die gesellschaftliche Bedeutung von Musik wesentliche Impulse gegeben.
Hanns Eisler verfaßte zusammen mit dem Dichter J. R. Becher die Nationalhymne der ehemaligen Deutschen Demokratischen Republik (DDR).

Einige Hörbeispiele

Ausschnitt aus "Schweyk im zweiten Weltkrieg"
"Bei der Kanone dort"
24,14 Sekunden

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Weiterer Ausschnitt aus "Schweyk im zweiten Weltkrieg"
"Kälbermarsch"
21,21 Sekunden

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Hanns Eisler und Bertolt Brecht

Eisler und Brecht arbeiteten an dem Bühnenstück "Die Mutter", dem Maxim Gorkis gleichnamiger Roman zugrunde liegt. Hanns Eisler schrieb zu dem Stück dreizehn Musiknummern: instrumentalbegleitete Lieder, Balladen, Chöre. Aus dramaturgischer Sicht werden die Forderungen des epischen Theaters durch Eislers Lieder in idealer Weise umgesetzt. Anstatt den Text zu illustrieren oder Stimmungen wiederzugeben, wertet die Musik den Text, nimmt Stellung zu ihm und kommentiert ihn. Die Musik ist also keine Dienerin der Handlung, sie wird vielmehr zum selbständigen Akteur. Sie achtet jedoch die gesellschaftliche Gestik, d.h. auf "bestimmte Haltungen des Sprechenden..., die dieser andern Menschen gegenüber einnimmt", wie Bert Brecht einst definierte 1. Hanns Eislers Musik ist gestisch; sie nimmt eine eindeutige politische Stellung ein. Brecht verdeutlichte dies an einigen Beispielen aus der Musik zur "Mutter":
"Die Musik Eislers ist keineswegs das, was man einfach nennt. Sie ist als Musik ziemlich kompliziert, und ich kenne keine ernsthaftere als sie. Sie ermöglichte in einer bewunderungswürdigen Weise gewisse Vereinfachungen schwierigster politischer Probleme, deren Lösung für das Proletariat lebensnotwendig ist. In dem kleinen Stück, in dem den Anschuldigungen, der Kommunismus bereite das Chaos, widersprochen wird, verschafft die Musik durch ihren freundlich beratenden Gestus sozusagen der Stimme der Vernunft Gehör. Dem Stück "Lob des Lernens", das die Frage der Machtübernahme durch das Proletariat mit der Frage des Lernens verknüpft, gibt die Musik einen heroischen und doch natürlich heiteren Gestus. So wird auch der Schlußchor "Lob der Dialektik", der sehr leicht als ein rein gefühlsmäßiger Triumphgesang wirken könnte, durch die Musik im Bereich des Vernünftigen gehalten."2
Heutzutage ist uns das damals unerhört Neue an dieser genialen, thematisch wie kontrapunktisch äußerst dicht und sorgfältig gearbeiteten Musik so vertraut, daß ihre Ausdrucksqualitäten, ihre Vitalität und Schönheit immer stärker hervortreten. Die von Brecht erwähnten Lieder, außerdem "Im Gefängnis zu singen" oder die "Grabrede über einen Genossen, der an die Wand gestellt wurde", lassen sich nur mit Eislers besten Kampfliedern und mit jenem tragischen Liedtypus vergleichen, der in der "Ballade vom Soldaten" und in "O Fallada, da du hangest" seine überzeugendste Ausprägung gefunden hat. Die Musik zu dem Stück "Die Mutter" ist die erste wahrhaft bedeutende Leistung des sozialistischen Realismus in der deutschen Musik.

1 Brecht, Über gestische Musik. In: Schriften zum Theater, Bd. III. Berlin u. Weimar 1964, S. 304
2 Brecht, Über die Verwendung von Musik für ein episches Theater. Das., S. 298 f


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Letzte Änderung am 16.06.1998

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